Gewächshaus

Gärtnern im Gewächshaus:
Vom frühen Anbau bis zur Sommerkultur

Die Sonnenstrahlen wärmen immer stärker - im März kommt das Wachstum richtig in Schwung, besonders unter Glas. Höchste Zeit, mit den Frühjahrskulturen loszulegen! Denn bei Bodentemperaturen über fünf Grad Celsius beginnt die Vegetationszeit.

Gut zu wissen

Das Jahr sinnvoll nutzen

Drei aufeinander folgende Gemüsekulturen sind im Gewächshaus möglich.

Frühjahrskultur: Hier kommen vor allem kälteresistente Kopf-, Asia- und Schnittsalate, Kohlrabi, Spinat, Rettich und Radieschen zum Zug.
Sommerkultur: Dazu gehören vor allem Wärmeliebhaber wie Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen, Melonen oder Chili.
Herbstkultur: In der letzten Phase werden Wintersalate wie Feldsalat und Endivie, aber auch wieder Spinat, Rauke und Winterpostelein angebaut.

Wissenswertes zur Frühjahrskultur

Haben Sie Ihr Gewächshaus optimal vorbereitet (lesen Sie dazu den Ratgeber zum Frühjahrsputz), kann es losgehen mit der Frühjahrskultur.

Das Kaltgewächshaus - Anbau im unbeheizten, geschützten Raum

Auf den Samenpackungen sind jeweils die optimalen Keimtemperaturen und die Keimdauer mit einer gewissen Schwankungsbreite angegeben. Nicht immer ist es sinnvoll, zum frühestmöglichen Zeitpunkt auszusäen. Ist es sehr dunkel und kalt, dauert der Keimprozess entsprechend länger. Sät man später, wenn es heller und wärmer ist, verkürzt sich hingegen die Keimzeit. Was im Januar also mehrere Wochen dauert, benötigt im März/April nur wenige Tage. Droht Frost, decken Sie die im Beet keimenden und wachsenden Pflanzen mit einem schützenden Gartenvlies ab oder schützen Sie diese mit einer variablen Beetabdeckung. In Regionen mit langanhaltend tiefen Temperaturen sollte darüber hinaus über den Einsatz eines Frostwächters in Form einer Gewächshaus-Heizung nachgedacht werden.

Bei manchen Gemüsearten, wie zum Beispiel Spinat oder Kopfsalat, gibt es speziell fürs Frühjahr geeignet Sorten, welche die Kälte vertragen. Wählen Sie nur solche für den Frühanbau. Sommersorten - welche bei Hitze nicht ausschießen, kommen erst später zum Einsatz.

Tipp: Damit nicht alle Salate und Gemüse gleichzeitig erntereif sind, ist es sinnvoll, die Pflanzungen oder Aussaaten zu staffeln: Beginnen Sie beispielsweise mit dem ersten Satz einer Art Mitte Februar in einem Beetabschnitt, zwei Wochen später folgt der zweite Satz im nächsten Beetabschnitt.

Blatt-, Knollen- und Wurzelgemüse Aussaat Setzlinge pflanzen
Asiasalat / Schnittsalat / Rauke Direkt ab Mitte Februar Ende Februar
Kopfsalat / Romana / Eissalat Direkt / Vorkultur ab Mitte Februar Ende Februar
Kohlrabi Vorziehen ab Mitte Februar
(Keimdauer 1 Woche)
Ab Ende Februar
Radieschen Direkt ab Ende Februar / Anfang März
Rettich Direkt ab Mitte März
Spinat Direkt ab Mitte März

Gärtnern in zweiter Ebene

Höher als 50 Zentimeter werden die Gemüse- und Salatpflanzen, die im Frühling in den Erdbeeten im Gewächshaus wachsen, nicht. Da wäre es doch schade, den Platz darüber nicht zu nutzen!
Mit Tischen und Regalen können Sie sich diesen Raum erschließen. Dabei ist ihr Schattenwurf auf ein Minimum beschränkt, wenn sie aus Metallgittern bestehen. Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass sich die Pflanzen nicht gegenseitig beschatten. Nutzen Sie die höhere Ebene zum Vorziehen von Gemüsepflanzen, denn diese brauchen nicht viel Platz und durch das Verwenden von Aussaatschalen lassen sich diese bei Bedarf für Pflegemaßnahmen leicht herunterheben.

Vor allem Gemüse- und Salat-Jungpflanzen fürs Freiland, aber auch wärmebedürftige Fruchtgemüse können Sie auf Regalen vorziehen, wenn die notwendige Wärme gewährleistet ist. Die Pflanzen werden später entweder im Gewächshaus oder im Freiland weiterkultiviert. Nicht geeignet für die Vorkultur sind Tiefwurzler wie Möhren. Auch bei Radieschen ist die Weiterkultur zeitaufwendig. Hier setzt man besser auf Direktsaat.

Vergessen Sie bei der Voranzucht bitte die Sommerblumen nicht! Kosmeen, Löwenmäulchen, Zinnien, Wicken - hier gibt es viele Sorten, die sich dafür eignen.

Typisch für Frühjahrskulturen ist die kurze Kulturzeit, denn Anfang Mai soll im Gewächshaus der Platz ja wieder frei sein für wärmeliebende Sommerkulturen. Waren Sie mit dem Aussäen zu spät dran oder haben die Vorkultur versäumt können Sie Jungpflanzen auch in Gärtnereien kaufen und im Gewächshaus pflanzen. Wichtig bei Salat und Kohlrabi: Der Erdpresstopf sollte etwas über dem Bodenniveau stehen, so wird das Risiko des Pilzbefalls vermindert.

Tipp: Kontrollieren Sie das Klima im Gewächshaus regelmäßig mit Hygrometer und Thermometer und öffnen Sie bei zu großer Luftfeuchtigkeit tagsüber die Fenster.

Gut zu wissen

Fruchtwechsel und Mischkultur

Wie im Freiland sollten Sie auch im Gewächshaus darauf achten, dass Sie beim Anbau in den Beeten die Standorte der unterschiedlichen Gemüsearten durchwechseln. So verhindern Sie zum einen, dass sich über die Erde Krankheiten zwischen Arten, die zur selben Pflanzenfamilie gehören, weiterverbreiten. Zum anderen vermeiden Sie, dass die Erde einseitig ausgelaugt wird, weil ihr immer dieselben Nährstoffe entzogen werden. Teilen Sie deshalb die Fläche im Gewächshaus in unterschiedliche Parzellen ein und wechseln dann zwischen den Parzellen im Uhrzeigersinn weiter.

Das Treibhaus: ideal für wärmebedürftige Sommerkulturen wie Tomaten und Gurken

Tomaten und Gurken gehören definitiv zu den Lieblings-Fruchtgemüsen von Gewächshausgärtnern. Die Sortenvielfalt ist groß, um Jungpflanzen aus Samen heranzuziehen. Gurken wie Tomaten werden zur Ausnutzung des "Luftraums" in die Höhe geleitet. Tomaten fixiert man an einer Rankhilfe oder einer Gartenschnur, Gurkentriebe halten sich am Ranknetz fest.

Steckbrief Tomaten Steckbrief Gurken
Voranzucht
Mitte März fürs Freiland, mit Heizung ab Mitte/Ende Februar fürs Gewächshaus, später Jungpflanzen kaufen.
Ideale Keimtemperatur ab 18 Grad Celsius, Saattiefe 1 cm. Nur die kräftigsten Pflanzen werden weiter kultiviert. Jetzt kann die Temperatur auf 16 Grad absinken.
Voranzucht
Ab Anfang März - Anfang April, am besten mit Heizung von unten. Später Jungpflanzen kaufen.
Ideale Keimtemperatur liegt bei 22 Grad Celsius, Saattiefe 2 cm. Zwei Samen pro Topf aussäen, den schwächeren Sämling dann abknipsen. Temperatur sollte nicht unter 12 Grad Celsius sinken.
Pflanzung ab Ende April
Jungpflanzen bis zum ersten Blattpaar im Boden versenken oder schräg pflanzen: So bilden sich am bisherigen Stiel zusätzliche Wurzeln.
Pflanzung ab Mitte April
Vorher nur mit Heizung.
Jungpflanzen mit zwei "richtigen" Blättern auspflanzen. Größere Exemplare wachsen nicht mehr gut an.
Wuchsform
Tomaten wachsen entweder in Buschform oder an einer Schnur/einem Stab gezogen heran. Für einen guten Fruchtansatz sollte man für etwas Luftzug im Gewächshaus sorgen, alternativ bestäubt man selbst mit einem feinen Pinsel.
Wuchsform
Gurken sind einjährig, sie können mehrere Meter nach oben ranken. Alternativ kriechen sie am Boden entlang. Es gibt männliche und weibliche Blüten an einer Pflanze. Vermehrt wird heute auf parthenokarpe Sorten gesetzt: Hier bilden sich ohne Bestäubung Früchte aus.

Tomaten und Gurken unter einem Dach

Oft werden Tomaten und Gurken zusammen kultiviert, denn beide mögen's warm und schätzen einen humosen, nährstoffreichen Boden. Die Bewässerung über die Blätter können bei beiden Kulturen zu Sonnenbrand und Pilzerkrankungen führen. Ab hier enden aber die Gemeinsamkeiten:

  • Luftfeuchtigkeit: Gurken mögen hohe Luftfeuchtigkeit - trockene Luft hingegen zieht die Rote Spinne sowie im späteren Verlauf die Weiße Fliege an. Im Gegensatz dazu stehen Tomaten lieber in trockener Luft, denn so verhindert man den Befall mit Krautfäule. Um beiden Bedürfnissen gerecht zu werden, bringt man Gurken im hinteren Teil des Gewächshauses unter, da sie dort vor Zugluft geschützt wachsen. Ein alternativer Standort, insbesondere bei kleinen Gewächshäusern, sind auch die vorderen Ecken des Gewächshauses, da auch dort kaum Zugluft hingelangt. Im restlichen vorderen Teil profitieren dagegen die Tomaten von der besseren Belüftung.
  • Boden: Tief wurzelnde Tomaten pflanzt man in großzügig ausgehobene Pflanzlöcher und gibt ihnen reichlich Kompost mit auf den Weg. Gurken sind eher Flachwurzler, sie profitieren aber von einer Mistheizung, die für "warme Füße" sorgt.
  • Bewässerung: Tomaten mögen ein trockenes Laub, Gurken reagieren weniger empfindlich auf Feuchtigkeit. Sinnvoll kann in beiden Fällen ein Bewässerungsring sein, der um die Pflanzen gelegt wird. Er nimmt bis zu drei Liter Wasser auf, das Nass kommt gezielt den Wurzeln zugute.

Gut zu wissen

Ausgefallene Genüsse

Ganz klar: Tomaten und Gurken sind die Favoriten bei der Gewächshauskultur. Aber erfolgreich kann man auch Auberginen, Chili, Kürbis oder Melonen anbauen. Einige von ihnen sind zwar relativ platzintensiv, nutzen fürs Wachstum aber auch den Gewächshaushimmel. Manche Arten werden im Gewächshaus lediglich vorgezogen und können anschließend an einen geeigneten Platz im Freien umgesetzt werden.

Mit diesen Informationen sind Sie bestens für die Gartensaison gerüstet und können so das Maximum aus Ihrem Gewächshaus herausholen. Wir wünschen Ihnen an dieser Stelle viel Freude beim Gärtnern und ein erfolgreiches Erntejahr.

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