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Ratgeber

Samen ernten und vermehren

Eigenes Saatgut für das nächste Gartenjahr

Im Spätsommer und Frühherbst ist Haupterntezeit – nicht nur für Tomaten, Bohnen, Kürbisse und anderes Gemüse, sondern auch für deren Samen. Wer Saatgut von bewährten Pflanzen gewinnt und richtig aufbewahrt, kann seine Lieblingssorten im nächsten Jahr erneut aussäen. Diese Form der Samengärtnerei macht unabhängig, bewahrt besondere Sorten und verbindet ein Gartenjahr direkt mit dem nächsten.

Reife Samenstände und geerntetes Saatgut aus dem eigenen Garten

Ratgeber-Inhalt

  • Das richtige Saatgut auswählen
  • Kreuzungen vermeiden
  • Befruchtung gezielt steuern
  • So lange dauert die Samenreife
  • Den richtigen Erntezeitpunkt erkennen
  • Samen aus Fruchtgemüse gewinnen
  • Praxisbeispiel: Tomatensamen gewinnen
  • Saatgut richtig lagern
  • Keimfähigkeit prüfen
  • Von der Samenernte zur nächsten Anzucht

Das richtige Saatgut auswählen

Damit sich Gemüsepflanzen im folgenden Gartenjahr möglichst ähnlich entwickeln wie die Pflanzen, von denen das Saatgut stammt, ist die Auswahl der richtigen Ausgangspflanzen entscheidend. Besonders wichtig ist, dass die Elternpflanzen aus samenfestem Saatgut gezogen wurden.

Samenfeste Sorten geben ihre typischen Eigenschaften vergleichsweise zuverlässig an die nächste Generation weiter. Geschmack, Farbe, Wuchsform, Ertrag oder besondere Eigenschaften wie eine gute Trockenheitsverträglichkeit lassen sich dadurch erhalten und über mehrere Generationen weitervermehren.

Anders ist es bei sogenannten F1-Hybriden. Sie entstehen durch die gezielte Kreuzung verschiedener Elternlinien und weisen in der ersten Generation besonders einheitliche Eigenschaften auf. Werden von solchen Pflanzen Samen gewonnen und wieder ausgesät, können sich die Merkmale in der nächsten Generation jedoch stark aufspalten. Die neuen Pflanzen entsprechen deshalb häufig nicht mehr der ursprünglichen Sorte. Für eine sortenechte Weitervermehrung sind F1-Hybriden daher nicht geeignet.

Wer Jungpflanzen in einer Gärtnerei kauft und später eigenes Saatgut gewinnen möchte, sollte bereits beim Kauf nachfragen, ob es sich um eine samenfeste Sorte handelt.

Gut für den Einstieg

Wer zum ersten Mal eigenes Saatgut gewinnen möchte, beginnt am besten mit vergleichsweise unkomplizierten Kulturen. Tomaten, Erbsen, Bohnen und Salate sind gute Kandidaten. Bei samenfesten Sorten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Nachkommen wieder viele typische Eigenschaften der Ausgangspflanze zeigen.

Kreuzungen vermeiden

Blüten von Kürbis und Zucchini im Gemüsegarten

Auch bei samenfesten Sorten muss darauf geachtet werden, dass während der Blüte keine unerwünschten Kreuzungen stattfinden. Nur wenn die Bestäubung kontrolliert erfolgt, lässt sich die gewünschte Sorte möglichst rein weitervermehren.

Relativ unkompliziert sind viele Selbstbestäuber. Dazu gehören beispielsweise Salate, Tomaten, Erbsen und Bohnen. Hier kann der Pollen einer Pflanze die Blüten derselben Pflanze befruchten. Das Risiko einer unerwünschten Verkreuzung ist dadurch geringer als bei ausgeprägten Fremdbefruchtern.

Bei Fremdbefruchtern ist mehr Aufmerksamkeit erforderlich. Kürbis, Zucchini, Gurke und Melone bilden männliche und weibliche Blüten und werden unter anderem durch Insekten bestäubt. Stehen verschiedene miteinander kreuzungsfähige Sorten dicht beieinander, kann das später gewonnene Saatgut deshalb unerwartete Eigenschaften hervorbringen.

Bei solchen Pflanzen lässt sich die Bestäubung gezielt steuern. Dazu wird eine noch nicht vollständig geöffnete weibliche Blüte vorsichtig geöffnet und mit Pollen einer passenden männlichen Blüte bestäubt. Anschließend wird die Blüte wieder geschlossen und beispielsweise mit einem Gazebeutel geschützt, sodass keine weitere Bestäubung durch Insekten stattfinden kann.

Bei anderen Gemüsearten ist eine räumliche oder zeitliche Trennung verschiedener Sorten sinnvoll. Auch der geschützte Anbau kann die Kontrolle erleichtern. Werden beispielsweise in einem Pflanzenhaus nur Tomaten einer Sorte kultiviert, sind die Voraussetzungen für die Gewinnung sortenreinen Saatguts besonders günstig.

Vorsicht bei Kürbissen und Zucchini

Bei der Samengewinnung von Kürbisgewächsen ist besondere Vorsicht geboten. Speise- und Zierkürbisse und Zucchini können sich untereinander kreuzen. Dabei können Nachkommen entstehen, die den bitteren und gesundheitsschädlichen Stoff Cucurbitacin enthalten. Saatgut aus unkontrollierten Kreuzungen sollte deshalb nicht zur Gewinnung von Speisekürbissen verwendet werden. Schmeckt eine selbst gezogene Kürbisfrucht ungewöhnlich bitter, sollte sie nicht gegessen werden. Mehr über Anbau, Ernte, Sorten und Verwendung erfahren Sie in unserem Ratgeber "Die Welt der Kürbisse" .

Befruchtung gezielt steuern

Die Sortenreinheit lässt sich zusätzlich verbessern, wenn im Garten gezielt nur eine Sorte einer Gemüseart zur gleichen Zeit blüht und Samen bildet. Gute Möglichkeiten bestehen beispielsweise bei Mangold, Fenchel, Karotte, Pastinake, Spinat oder Radieschen.

Sollen mehrere Sorten derselben Art vermehrt werden, können sie zeitlich oder räumlich voneinander getrennt werden. Werden die Pflanzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgesät, verschieben sich häufig auch Blüte und Bestäubung. Eine ausreichende räumliche Trennung kann ebenfalls helfen, unerwünschte Verkreuzungen zu vermeiden.

Samenträger frühzeitig auswählen

Für die Samengewinnung werden möglichst kräftige und gesunde Pflanzen ausgewählt. Am besten entscheidet man bereits während des Wachstums, welche Exemplare später Saatgut liefern sollen.

Besonders interessant sind Pflanzen, die genau die gewünschten Eigenschaften zeigen: zum Beispiel besonders schmackhafte Früchte, einen kräftigen Wuchs, einen guten Ertrag oder eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit.

Die ausgewählten Samenträger benötigen ausreichend Platz, um sich vollständig entwickeln zu können. Hohe Samenstände können bei Bedarf angebunden werden. So knicken sie nicht um und bleiben sauber und trocken.

Kräftige Gemüsepflanze als Samenträger für die spätere Samenernte

So lange dauert die Samenreife

Wer eigenes Saatgut gewinnen möchte, braucht bei manchen Gemüsearten Geduld. Einjährige Pflanzen keimen, wachsen, blühen und bilden ihre Samen innerhalb einer Gartensaison. Andere Arten sind zweijährig. Sie bilden im ersten Jahr zunächst überwiegend Blätter, Wurzeln oder Knollen und entwickeln erst nach der Überwinterung Blüten und Samen.

Bei Stress können beispielsweise Rote Bete oder andere zweijährige Pflanzen bereits im ersten Jahr vorzeitig blühen. Das Saatgut solcher Pflanzen sollte für die gezielte Weitervermehrung besser nicht verwendet werden.

Samenernte im ersten Jahr Samenernte im zweiten Jahr
Fruchtgemüse
Gurke, Paprika, Kürbis, Tomate, Zucchini
Knollen- und Wurzelgemüse
Karotte, Rote Bete, Pastinake, Sellerie
Blattgemüse
Spinat, Kopfsalat, Pflücksalat, Feldsalat
Kohlgemüse
Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl, Kohlrabi
Hülsenfrüchte
Gartenbohne, Feuerbohne, Erbse
Zwiebelgewächse
Küchenzwiebel, Lauch

Den richtigen Erntezeitpunkt erkennen

Trockene und reife Samenstände im Nutzgarten

Bei manchen Gemüsearten entwickeln sich die Samen offen am Fruchtstand. Andere reifen geschützt in Hülsen, Schoten oder Früchten heran. Samenstände sind in der Regel erntereif, wenn sie gut eingetrocknet sind und die Samen eine feste Schale entwickelt haben.

Bei offen reifenden Samen ist der richtige Zeitpunkt besonders wichtig: Wartet man zu lange, fallen sie aus und verteilen sich im Beet, bevor sie eingesammelt werden konnten.

So lassen sich reife Samen sichern

  • Samenstände abschneiden: Reife Samenstände rechtzeitig abschneiden und in eine beschriftete Papiertüte geben. An einem trockenen und luftigen Ort können sie vollständig nachreifen.
  • Gazebeutel verwenden: Über reifende Samenstände lässt sich ein Gazebeutel stülpen und am Stiel befestigen. Herausfallende Samen werden darin automatisch aufgefangen.
  • Samen auslösen: Fenchel oder Petersilie lassen sich beispielsweise ausschütteln. Bei Bohnen werden die trockenen Hülsen geöffnet und die Samen herausgelöst.
  • Trocknungsgrad prüfen: Gut getrocknete Bohnensamen besitzen eine feste Schale und lassen sich kaum noch mit dem Fingernagel ritzen.

Beschriften nicht vergessen: Nach dem Trocknen sehen sich viele Samen sehr ähnlich. Notieren Sie deshalb bereits bei der Ernte mindestens Pflanzenart, Sorte und Erntejahr.

Die Samenernte fällt bei vielen Kulturen in die klassische Hochsommer- und Frühherbstzeit. Welche Arbeiten jetzt außerdem im Garten anstehen, lesen Sie in unserem Ratgeber "Garten-Arbeiten im September" .

Samen aus Fruchtgemüse gewinnen

Samen aus vollständig ausgereiftem Fruchtgemüse gewinnen

Bei Fruchtgemüse wie Tomate, Paprika, Gurke oder Kürbis werden die Samen erst geerntet, wenn die Früchte vollständig ausgereift sind und ihre sortentypische Farbe erreicht haben. Lassen sie sich leicht pflücken und sind die Samen im Inneren vollständig entwickelt, ist in der Regel auch das Saatgut reif.

Die Frucht wird vorsichtig geöffnet und die Samen werden zusammen mit dem umgebenden Fruchtfleisch herausgelöst. Anschließend müssen Saatgut und Fruchtfleisch voneinander getrennt und die Samen gründlich getrocknet werden.

Samen mit Fruchtfleisch aufbereiten

  • Früchte vollständig ausreifen lassen und vorsichtig aufschneiden.
  • Samen zusammen mit dem umgebenden Fruchtfleisch herauslösen.
  • Fruchtfleisch möglichst vollständig von den Samen trennen.
  • Bei sehr kleinen Samen können Fruchtfleisch und Saatgut zunächst in Wasser gegeben werden. Die schwereren Samen setzen sich anschließend am Boden ab und das Fruchtfleisch lässt sich mit dem Wasser vorsichtig abgießen.
  • Samen, die von einer gallertartigen Hülle umgeben sind, können zusammen mit dieser Hülle einige Zeit in einem Glas stehen. Durch einen natürlichen Gärprozess löst sich die Schicht. Anschließend werden die Samen in einem Sieb gründlich ausgespült.
  • Das gereinigte Saatgut auf Küchenpapier oder einer anderen saugfähigen Unterlage vollständig trocknen lassen.

Praxisbeispiel: Tomatensamen selbst gewinnen

Tomatensamen aus einer reifen Tomate für die nächste Aussaat gewinnen

Tomaten eignen sich besonders gut für den Einstieg in die Samengärtnerei. Wählen Sie dafür eine vollständig ausgereifte, gesunde Frucht einer samenfesten Sorte. Idealerweise stammt sie von einer kräftigen Pflanze, die im Laufe der Saison genau die Eigenschaften gezeigt hat, die Sie erhalten möchten.

  1. Tomate auswählen: Eine vollreife und gesunde Frucht einer samenfesten Sorte ernten.
  2. Samen entnehmen: Die Tomate aufschneiden und Samen samt gallertartiger Hülle in ein kleines Glas geben.
  3. Hülle lösen: Die Samen kurz stehen lassen, damit sich die gallertartige Schicht löst.
  4. Waschen: Anschließend die Samen in einem feinen Sieb unter Wasser gründlich reinigen.
  5. Trocknen: Die gereinigten Samen auseinanderliegend auf einer saugfähigen Unterlage vollständig trocknen lassen und anschließend beschriftet einlagern.

Wer Tomaten geschützt kultiviert, kann die Samengewinnung zusätzlich erleichtern. In einem Gewächshaus lässt sich besser überblicken, welche Sorten nebeneinander wachsen und von welchen Pflanzen das Saatgut gewonnen werden soll.

Weitere Informationen rund um Sortenauswahl, Anzucht und Kultur finden Sie in unserem Tomaten-Ratgeber . Tipps zur Nutzung des geschützten Anbauraums über die gesamte Gartensaison bietet außerdem unser Ratgeber "Gärtnern im Gewächshaus" .

Saatgut richtig lagern

Getrocknetes und beschriftetes Saatgut in Gläsern aufbewahren

Ordnung ist bei der Saatgutaufbewahrung besonders wichtig. Jedes Behältnis sollte mit Pflanzenart, Sorte und Erntejahr beschriftet werden. Sinnvoll ist außerdem, besondere Eigenschaften der Pflanze festzuhalten – beispielsweise Geschmack, Farbe, Ertrag oder Trockenheitsverträglichkeit.

Saatgut bleibt am längsten keimfähig, wenn es trocken, dunkel, geschützt und kühl gelagert wird. Ideal sind Temperaturen von höchstens etwa 10 °C. Feuchtigkeit sollte unbedingt vermieden werden, da sie Schimmelbildung und vorzeitige Keimung begünstigen kann.

Gut verschließbare Gläser oder Metallbehälter schützen das Saatgut zusätzlich vor Feuchtigkeit, Mäusen und Vorratsschädlingen.

Wie lange bleibt Saatgut keimfähig?

Je frischer das Saatgut ist, desto höher ist in der Regel seine Keimfähigkeit. Als grobe Orientierung können folgende Lagerzeiten dienen:

Lagerfähigkeit Sorten
4-6 Jahre Gurke, Kürbis, Melone, Tomate, Zucchini, Basilikum
3-4 Jahre Bohnen, Dill, Erbsen, Kohl, Radieschen, Rettich, Salat, Spinat, Zuckererbse
1-3 Jahre Fenchel, Mais, Karotte, Kümmel, Lauch, Majoran, Zwiebel, Schnittlauch

Keimfähigkeit prüfen

Keimprobe mit Gemüsesamen auf einem feuchten Tuch

Die Lagerfähigkeit unterscheidet sich je nach Gemüseart und Lagerbedingungen deutlich. Bevor älteres Saatgut ausgesät wird, lohnt sich deshalb eine einfache Keimprobe.

Dazu werden beispielsweise zehn Samen zunächst kurz in Wasser eingeweicht und anschließend auf ein feuchtes Tuch gelegt. Eine transparente Abdeckung schützt vor dem Austrocknen. Das Tuch sollte während der für die jeweilige Pflanzenart typischen Keimzeit gleichmäßig feucht bleiben.

Nach der Keimung lässt sich leicht abschätzen, wie gut das Saatgut noch ist: Keimen beispielsweise acht von zehn Samen, beträgt die Keimfähigkeit ungefähr 80 Prozent. Keimt nur ein kleiner Teil, kann entsprechend dichter ausgesät werden oder es lohnt sich, frisches Saatgut zu verwenden.

Ist das Saatgut noch ausreichend keimfähig, kann die eigentliche Anzucht beginnen. Für kleinere Aussaaten bietet sich beispielsweise die Spezial-Aussaatschale mit einzelnen Aussaatzellen und Wasserspeicher an. In der Aussaat-Station können bis zu 49 Einzelpflanzen herangezogen und über eine integrierte Bewässerungswanne gleichmäßig mit Wasser versorgt werden.

Von der Samenernte zur nächsten Anzucht

Mit der Samenernte schließt sich der Kreis des Gartenjahres. Im Spätsommer und Frühherbst werden die besten Pflanzen ausgewählt und reife Samen geerntet. Über Herbst und Winter lagert das Saatgut trocken und kühl. Vor der neuen Aussaat kann eine Keimprobe zeigen, ob die Samen noch ausreichend keimfähig sind. Ab Februar und März beginnt dann bei vielen Gemüsearten die nächste Anzuchtsaison.

Im Frühjahr geht es weiter

Aus dem selbst gewonnenen Saatgut entstehen im nächsten Jahr wieder neue Pflanzen. Wie Aussaat, Keimung, Pikieren und Abhärten richtig gelingen, zeigen wir ausführlich in unserem Ratgeber "Vom Samen zum Setzling" .

Wer für die neue Anzuchtsaison mehr Platz benötigt, findet im Aussaat- und Anzuchthaus geschützte Bedingungen für Aussaat und Pflanzenanzucht. So wird aus dem selbst gewonnenen Saatgut Schritt für Schritt die nächste Generation für Garten, Hochbeet oder Gewächshaus.

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